Kesselsweier Luftfahrtgelände mit TraditionZeitreihe 1803 1926 1927 1928 1932 1951 1952 1953 1954 1955 1956 1959 1963+1965 1966 1967 1970 1976 80er Jahre 1991 1995 Der mittelalterliche Gelehrte Michelangelo,die Gebrüder Montgolfiere und schließlich der bereits erwähnte Otto Lilienthal sind bekannte Persönlichkeiten, die der Luftfahrt den Weg begründet haben. Der Traum der Menschheit, den Himmel zu erobern, wurde aber auch in unserer Heimatregion gelebt. Und so begann die hiesige Luftfahrttradition bereits mit einem Ballonaufstieg am 9. Juli am Jaberg zwischen Hilden und Haan, als einem der ersten Orte in Deutschland. Dem Chronisten einer örtlichen Zeitung zufolge stieg der Ballon auf 9000 Fuß Höhe und wurde vom Wind in südliche Richtung getragen, wo er eine dreiviertel Stunde Weges von Haan entfernt wieder niederging. Die sogar aus Mettmann, Elberfeld und Solingen heran gewanderten Zuschauer wurden damit Zeugen eines ersten Schrittes zur Eroberung des Himmels, noch bevor die erste Eisenbahn erfunden war. Nun vergingen noch einmal fast neun Jahrzehnte ehe Otto Lilienthal die ersten Gleitflüge gelangen und wie berichtet, die Ursprünge des Segelfluges sich zunächst doch eher zögerlich entwickelten. Erst in den Zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts wurden erneut bemerkenswerte Gleitflugversuche unternommen, die schließlich vom ersten erfolgreichen Segelflug im Hangwind gekrönt wurden. Bereits in diesem Jahr der Geburtsstunde des Segelfluges suchte der "Bergische Verein für Luftfahrt" aus Elberfeld nach einem geeigneten Gelände, aber das an Hügeln und Bergen so reiche Bergische Land erwies sich merkwürdigerweise arm an Hängen, die sich für die Ausübung des Segelflugsportes eignen. Endlich entdeckte man die "Hildener Heide" mit dem Sandberg,ein Gelände, das sich bald als ideal für Schulungsflüge erweisen sollte. Als bald "Arbeitsgemeinschaft für Gleit- und Segelflug Köln", sowie der "Flug-Sportverein Ohligs" und der "Flugsportverein des Solinger Wirtschaftsgebietes e.V.". Nur ein Jahr später flogen nun auch der "Aero-Klub Düsseldorf" und Vereine aus Ronsdorf und Barmen am Sandberg. Man startete mit dem Gummiseil un es herrschte bereits Hochbetrieb in der Hildener Heide. Die Aktivitäten der Segelflieger wurden - wie heute noch - stets von interessierten Ausflüglern verfolgt und die regionale Presse berichtete regelmäßig von den Flügen. Inzwischen fand der Segelflug Gedanke auch in Hilden zahlreiche Freunde, die bereit waren Pionierarbeit zu leisten und so wurde am mit städtischer Unterstützung durch den damaligen Bürgermeister Dr. Lerch der "Verein für Segel- und Motorflug Hilden" gegründet. Anfang des Jahres erhielten die Hildener Segelflieger ihr erstes Flugzeug, das in der Werkstatt Espenlaubs, eines damals sehr bekannten Teilnehmers der Wettbewerbe auf der Wasserkuppe, gebaut worden war. Bereits wenige Tage nach der Taufe auf den Namen "Hilden 1" war die erste Bruchlandung zu verzeichnen. Was Idealismus und Begeisterung für den Segelflug vermögen, zeigt die Tatsache, daß es gelang, in emsiger Arbeit oft bis in die Nacht hinein aus Trümmern und Neumaterial innerhalb von wenigen Tagen die Maschine wieder herzustellen, so daß am Sonntag darauf das Fliegen fortgesetzt werden konnte. Im gleichen Jahr gründeten die am Sandberg fliegenden Vereine die "Interessengemeinschaft niederrheinischer Segelflieger" und übertrugen die Federführung dem Hildener Verein. In der Folgezeit entwickelte sich das Gelände zum Zentrum der Segelflugvereine der Region; der Startplatz auf dem Sandberg wurde für den geregelten Flugbetrieb hergerichtet. Es entstand eine Flugzeughalle und zuweilen landete auch einmal ein Motorflugzeug. Die Hildener bauten sich in einem Raum der katholischen Schule an der Walder Straße selbst ein neues Flugzeug und konnten es im Oktober zum ersten Mal fliegen. Inzwischen entwickelte sich der Segelflug allerorten sehr rasch weiter. Es wurden immer größere Flugleistungen erzielt, neue Startarten wie der Winden- und der Flugzeugschlepp entstanden und Schulungsflugzeuge wie der Schulgleiter SG-38 und das Grunau Baby IIb (beide Flugzeugmuster befinden sich noch heute in flugfähigem Zustand in unserem Verein) wurden in großen Stückzahlen industriell gefertigt. All diese Entwicklungen hielten auch in der Hildener Heide ihren Einzug. Ein vorläufiges Ende fand der Segelflug dann aber mit dem 2. Weltkrieg. Doch als die alliierten Behörden im Juni den Segelflug in Deutschland wieder zulassen, dauert es gerade mal 5 Wochen bis in Hilden am 25. Juli die Neugründung der "Luftsportgruppe Hilden" erfolgt, die damit die Tradition des Vereins für Segel- und Motorflug Hilden fortführt. Ebenfalls im Sommer 1951 wird auch der "Luftsportclub Haan" gegründet und man geht gleichzeitig daran, in der Hildener Heide und am Sandberg wieder Segelflug zu betreiben. Diesen Gedanken haben wiederum viele Segelflieger aus der gesamten Umgebung und die Hildener Heide bildet erneut die Keimzelle des Segelfluges in unserer Region. Die kommende Saison des Jahres wird das Gelände bereits wieder von Segelflugvereinen aus Haan, Hilden, Leverkusen, Velbert und Wuppertal genutzt. Bei den eingesetzten Flugzeugen handelt es sich zumeist noch um die bekannten Vorkriegskonstruktionen SG-38 und Baby IIb, aber auch um erste Neukonstruktionen, wie die Mü 13 E. der Leverkusener. Am Ende des Jahres hat die Luftsportgruppe Hilden bereits 37 Mitglieder. erhält der Verein sein erstes doppelsitziges Segelflugzeug, einen Doppelraab von Wolf Hirth Flugzeugbau, mit dem nun der intensiven Flugschulung nichts mehr im Wege stand. Vereine aus mittlerweile 8 Städten (Hilden, Haan, Wuppertal, Leverkusen, Remscheid, Mettmann, Solingen und Duisburg) absolvieren über 4000 Starts und erreichen dabei eine Flugzeit von etwa 200 Stunden. Allein ein Viertel davon wird von den Hildenern erflogen. Der umfangreiche Flugbetrieb wird von drei Startstellen aus abgewickelt: im Gummiseilstart mit dem Schulgleiter den Sandberg hinab, sowie im Windenstart am Fuße des Sandberges parallel zur Elberfelder Straße und wenige Meter nördlich am Kesselsweier, der noch von der Britischen Rheinarmee als Kurierflugplatz mit Motorflugzeugen genutzt wird. Für das Jahr wird aufgrund des regen Flugbetriebes der Bau einer Startwinde und mit der Anlage einer weiteren Startbahn am Fuße des Sandberges, der Ausbau des Fluggeländes in Angriff genommen. Mit zunehmender Übung und den neuen Segelflugzeugen steigen die Flugleistungen der Piloten. Ostern werden erstmals 2000 Meter Höhe in der Thermik über der Hildener Heide erreicht. Die Zusammenarbeit mit den Nachbarvereinen gestaltet sich positiv, denn man startet gemeinsam an der Haaner Winde. Die ersten Mitglieder erlangen den neuen Luftfahrerschein und schließlich erhält der Verein eigene Räume für Werkstatt und Schulungsraum in der ehemaligen Schweinemästerei an der Stadtgrenze zu Haan. bekommt die Bundesrepublik von den Alliierten wieder die Lufthoheit zurück und der Motorflug, sowie die Verkehrsluftfahrt werden wieder zugelassen. Dies gibt vielerorts neuen Antrieb zum Bau von neuen Flugplätzen. Deutschland erlebt das Wirtschaftswunder. Dank großzügiger Unterstützung durch die heimische Industrie konnten die Segelflieger den damals modernsten Doppelsitzer eine Ka 2 b, gebaut von Schleicher in Poppenhausen, erwerben. Ein großer Schritt in Richtung intensiver Schulung und in Richtung Leistungssegelflug war erreicht. Der alte Schulgleiter hatte ausgedient. Die folgenden Jahre brachten manchen Flug zum erlangen des Silbernen Leistungsabzeichens (Silber-C: Flüge von 5 Stunden Dauer, 1000 Meter Startüberhöhung und 50 km Streckenflug) Viele Jugendliche wurden Mitglied in Haan oder Hilden und sind bis heute begeistert dabei. Im Herbst gaben die Briten den Kurierflugplatz auf und von da an gehörte das Gelände allein den Segelfliegern. wurden neu entwickelte Leistungssegelflugzeuge vom Typ Ka-8b in Betrieb genommen. Eines der Flugzeuge ist von einer Gruppe von drei Segelfliegern sogar selbst gebaut worden. Diese Flugzeuge verfügten über fast 50 % bessere Flugleistungen als die Muster mit denen man zehn Jahre zuvor das Fliegen wieder begonnen hatte. Noch heute stehen sie in der Ausbildung im Einsatz, doch ist die technische Entwicklung unaufhaltsam über sie hinweggezogen (vgl. Technik / Werkstatt). Immerhin mußte die Flugausbildung den gewachsenen Leistungen Rechnung tragen, denn, erfolgte beispielsweise ein Landeanflug mit einem Grunau Baby noch mit 50 bis 60 km/h, so mußten für eine sichere Landung mit der Ka-8b schon 80 km/h im Endteil geflogen werden. Entsprechend genauer mußte die Landeeinteilung und der Aufsetzpunkt gewählt werden. Die intensivere Flugausbildung brachte bald auch sportliche Erfolge und im Jahr absolvierte Willi Bromer den ersten Flug für das goldene Leistungsabzeichen (Gold-C: Flüge von 5 Stunden Dauer, 3000 Meter Startüberhöhung und 300 km Streckenflug) von Hilden aus. Er landete nach 375 km in Frankreich. Ein Jahr später erhielten die Segelflieger einweiteres Leistungssegelflugzeug, eine Ka 6 CR mit noch besserem, sog. Laminarprofil. Rainer Schorn und Dr. Helmut Weeber erflogen sich mit Zielflügen nach Stade über 317 km Distanz den Zielstrstreckendiamanten zur Gold-C und im folgenden Jahr gelang dies drei weiteren Vereinsmitgliedern mit Flügen über 330 km nach Ostende. Die Kunststoffbauweise hielt ihren Einzug und ließ die Flugleistungen der Segelflugzeuge noch weiter steigen. Die Flugzeuge wurden größer, schneller und schwerer. Damit stiegen naturgemäß auch die Anforderungen an die Ausbildung weiter an. Die Vereine von einst hatten vielfach eine neue Heimat auf eigenen Flugplätzen gefunden und es blieben die stetig gewachsenen Heimatvereine Hilden und Haan zurück. Zu Beginn der Flugsaison schlossen sich dann die Luftsportgruppe Hilden und der Luftsportclub Haan zur "Luftsportgemeinschaft Kesselsweier Hilden-Haan" zusammen, um sich den stetig gewachsenen Anforderungen gemeinsamen zu widmen. Es entstand ein moderner, leistungsstarker Verein, der in Fliegerkreisen weithin bekannt ist. Man konzentrierte sich auf das Fluggelände am Kesselsweier und konnte die erfolgreiche sportliche Entwicklung fortsetzen. So erflogen wiederum Dr. Helmut Weeber und Theo Seinsch, beide auf LS 1, die ersten 500 km Strecken. Rainer Schorn erflog in der Thermik über dem Kesselsweier 3420 Meter und im Wellenaufwind der Alpen erreicht Eduard Heinz 3700 Meter Höhe. In den errang der Verein auf modernstem Fluggerät (mit LS-4) in der Standardklasse 2-mal den Titel des deutschen Meisters im Streckensegelflug mit der Mannschaft, wurde einmal Vizemeister und erreichte einmal den 6. Platz. Piloten der LSG Kesselsweier wurden in die Nationalmannschaft berufen. wurden vom Kesselsweier aus erstmals über 700 km Strecke geflogen und erreichte Elmar Weischede in den Alpen eine Höhe von 9000 Metern. Die Startzahlen und Flugstunden wuchsen. Der Verein investierte viel Mühe in die Ausbildung und konnte so sicherstellen, daß unter den schwieriger werdenden Verhältnissen des Fluggeländes weiterhin sicher und erfolgreich Segelflug betrieben werden konnte. So gelang es bis heute immer auch, den Anforderungen, die die technische Entwicklung immer leistungs fähigerer Segelflugzeuge mit gestiegenen Fluggeschwindigkeiten und Fluggewichten an die Ausbildung stellt, gerecht zu werden. Damit können wir feststellen, daß der Segelflug in Hilden auf anerkannt hohem Niveau betrieben wird. Wir möchten, daß dies auch in Zukunft so bleibt und wünschen uns, Hilden -Kesselsweier - als Luftfahrtgelände mit Tradition noch viele Jahre sicher und erfolgreich fortführen zu können. |