Ursprünge des SegelflugesZeitreihe
Der Segelflug geht wie die gesamte Fliegerei zurück auf die Untersuchungen über den Vogelflug und Versuche von Otto Lilienthal. Ihm gelang es erstmals im Jahre mit seinem "Flugapparat" Luftsprünge von 15 Metern Länge durchzuführen. Ein Anfang für den Menschenflug war gemacht. Ein Jahr später erreichte er schon Flugweiten von 80 Metern. Diese Ergebnisse konnte er noch bis auf 250 Meter Strecke steigern, ehe er am 9.8.1896 bei einem seiner Flugversuche abstürzte und am folgenden Tag verstarb. Otto Lilienthal hatte aber weltweites Interesse an seinen Flugversuchen erregt und in der Folge konzentrierte man sich vielerorts darauf, Flüge von zunehmender Dauer und Distanz zu erzielen. Da es sich dabei bislang um Gleitflüge von kurzer Dauer "nach dem Prinzip einer Papierschwalbe" handelte, richtete sich das Hauptaugenmerk darauf, geeignete Antriebe zu entwickeln und im Kraftflug bessere Ergebnisse zu erzielen. Die Gebr. Wright in den USA hatten dabei Erfolg und der motorlose Flug geriet erst einmal in Vergessenheit. Darmstädter Studenten und Gymnasiasten entwickelten dann in den Jahren wieder erste Hängegleitflugzeuge und versuchten mit diesen in den Semesterferien an den Hängen der Rhön zu fliegen. Der 1. Weltkrieg beendete diese Aktivitäten und brachte anschließend für Deutschland ein Verbot zu fliegen. Die Verträge verstanden darunter jedoch den Motorflug und so entstand aus den Modellflugvereinen im Jahr der Aufruf zu einem Gleit- und Segelflugwettbewerb. Teilnehmer von Modellflugvereinen aus ganz Deutschland kamen für sechs Wochen auf der Wasserkuppe in der Rhön zusammen, die mit ihren sanften Wald freien Hängen am besten geeignet erschien. In der letzten Woche gelang Wolfgang Klemperer mit einem Flugzeug der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen ein Flug über eine Strecke von 1830 Metern in 2 Minuten und 22 Sekunden. Er landete 330 m tiefer im Tal und folgte damit eigentlich immer noch dem Prinzip "Papierschwalbe". Aber bereits ein Jahr später erreichte er in einem Flug von 13 Minuten Dauer eine Strecke von 5 km. Diese Erfolge fanden internationale Beachtung und an den folgenden Wettbewerbenbeteiligten sich bereits Piloten verschiedener Nationen. Das Jahr kann man dann als das Geburtsjahr des Segelfluges bezeichnen, denn am 18. August flog August Martens mit dem Muster "Vampyr" 1 Stunde 6 Minuten an den Hängen der Rhön und mit 8,9 km Strecke und einer Startüberhöhung von 108 Metern erzielte er gleich drei Weltrekorde in einem Flug. Der Segelflug im Hangaufwind war geboren. Nach diesen Erfahrungen steigerte sein Studienkollege Hentzen den Rekord bereits eine Woche später auf 3 Stunden und 6 Minuten. Die folgenden Jahre brachten weitere Verbesserungen der sportlichen Leistungen (24 km Strecke; 12 Stunden Flugzeit), was gleichermaßen auf gestiegene Erfahrungen, wie auf Verbesserungen der Konstruktion der Flugzeuge zurück zu führen war. Aber immer noch gelang dies nur im unmittelbaren Hangflug. Den Vögeln gleich in der Luft zu segeln, vermochten die Segelflieger noch nicht. Ein erster Segelflug als Thermikflug durch aufsteigende Luftmassen unter einer Gewitterwolke gelang Max Kegel erstmals mit einem Flug über 55,2 km von der Wasserkuppe bis Gompertshausen bei Meiningen. Dabei war er nach dem Start in den Aufwindschlauch einer Gewitterwolke geraten und in ihr bis auf 2000 Meter Höhe gestiegen, ehe er im Gleitflug die Rekordstrecke absolvierte. Eher unfreiwillig entdeckte er damit die thermischen Aufwinde, die man zunächst noch nur mit Gewittern in Zusammenhang brachte. Man versuchte deshalb Streckenrekorde dadurch zu erzielen, daß man sich in die Wolken einer Gewitterfront hineinziehen ließ und mit ihr treiben ließ. Allmählich wuchsen aber auch hier die Erfahrungen und man erkannte, daß Thermik auch unter normalen Cumulus-Wolken und sogar bei blauem Himmel zu finden ist. Man entwickelte und verfeinerte die Instrumente -insbesondere das Variometer (es zeigt an ob und wieviel das Flugzeug steigt oder sinkt) -und versuchte auch an anderer Stelle als in der Rhön den Segelflug zu betreiben. Überall entstanden jetzt Segelfluggelände. Zu den ersten gehörte in diesem Jahr auch die Hildener Heide, die zur Geburtsstätte des Segelfluges in unserer Region werden sollte. Die Mitglieder des "Bergischen Vereins für Luftfahrt" aus Wuppertal-Elberfeld hatten hier ein geeignetes Gelände gefunden. Die ersten fliegerischen Betätigungen führten dann auch in Hilden zur Gründung des "Vereins für Segel- und Motorflug Hilden" (mehr dazu siehe Hilden / Kesselsweier - Luftfahrtgelände mit Tradition). Es dauerte bis zum Jahre bis Robert Kronfeld am 15. Mai in einer Mischung aus Hang- und Thermikflug entlang des Teutoburger Waldes das erste Mal über 100 km zurücklegte. Die weitere Entwicklung verlief gerade zu stürmisch. Immer neue Bestleistungen in Dauer-, Strecken- und Höhenflügen wurden auf gestellt. segelt Wolf Hirth in der Thermik über New York. Der Segelflug findet weltweit Freunde. Konstruktive Erkenntnisse der Flugmechanik von Segelflugzeugen werden wissenschaftlich erarbeitet und ausgewertet und führen schließlich zu allgemeinen Normen für die Festigkeit von Flugzeugen die in allen Bereichen der Luftfahrt Geltung erlangen. werden die ersten Flüge über eine Distanz von mehr als 300 km absolviert. Der Dauerflug-rekord steht inzwischen bei 36 Stunden und 36 Minuten, geflogen auf Grunau Baby in Ostpreußen im Hangaufwind anden Dünen der Ostsee. Schon im Jahr darauf gelingt es vier Piloten im thermischen Segelflug mit Rückenwindunterstützung eine Strecke von 504 km bis Brünn in der Tschechoslowakei zu fliegen. Aufgrund der steigenden Leistungen beginnt man erstmals Zielstrecken- und Zielrückkehrflüge auszuschreiben. Mittlerweile ist der Segelflug auf hohem Niveau angelangt und findet immer mehr Anhänger. Die Zivilluftfahrt und die Verkehrsfliegerei entwickelt sich. Man würde heute sagen: Die Fliegerei ist eine Zukunfts- oder Wachstumsbranche. Dies ist auch den politischen Machthabern nicht entgangen und sie vereinnahmen die Luftfahrt und die Segelfliegerei wie vieles andere auch für ihre Zwecke. Der Sport wird zunehmend zur staatlichen Angelegenheit und dient als Vorbote der kommenden Entwicklung in den folgenden Jahren immer mehr zur Ausbildung großer Zahlen von Piloten. Mit dieser Unterstützung erfährt der Segelflug noch eine enorme Ausbreitung in Deutschland. Der Rhönwettbewerb wird im nach hinein zur 1.Segelflug-Weltmeisterschaft erklärt; Segelfliegen ist im Jahr zuvor als olympische Demonstrationssportart vorgeführt worden. Die folgenden Jahre aber bringen den sportlichen Charakter des Segelfluges immer mehr zum Erliegen. Flugzeuge wie der Schulgleiter SG 38 und das Grunau Baby werden in hoher Stückzahl produziert (über 8000- bzw. 5000-mal) und dienen letztlich im wesentlichen zur fliegerischen Vorausbildung der staatlichen Maschinerie. Das Ende des 2. Weltkrieges bringt den Deutschen erneut ein Flugverbot, von dem nun auch die Segelflieger erfaßt sind. wird in Samedan in der Schweiz bereits die 2. Segelflug-Weltmeisterschaft, noch ohne deutsche Beteiligung, durchgeführt. Im August wird in der Rhön der Deutsche Aero Club gegründet, der zum Ziel hat, die Tradition des Segelfluges wieder auf zunehmen. Nach Verhandlungen mit alliierten Behörden erfolgt schließlich am 19. Juni die Wiederzulassung des Segelfluges. Dies ist ein Signal, das bundesweit zur (Neu-) Gründung zahlreicher Segelflugvereine führt. Diese Neugründung wird in Hilden bereits am 25. Juli 1951 unter dem Namen "Luftsportgruppe Hilden e.V." vollzogen. Ebenfalls im Sommer 1951 wurde auch der "Luftsportclub Haan" gegründet. Beide Vereine nahmen damit die schon 25-jährige Tradition des Segelfluges in der Hildener Heide wieder auf. In den folgenden Jahren nahm der Segelflug erneut einen großen Aufschwung, bis heute glücklicherweise völlig unpolitisch. |